Montag, 13. September 2010

Brüder und Schwestern

Zum Abendessen sind wir in das Haus der Schwestern eingeladen. Es liegt nur einige Hundert Meter von der Kirche entfernt, doch wir fahren mit dem Bus. Den brauchen wir für den Heimweg. Wenn es dunkel ist und viele betrunken sind, ist es zu gefährlich zu Fuß zu gehen. So fallen wir sechs Männer in das kleine Klösterchen ein. Gemeinsam mit uns am Tisch sitzt eine blinde Babuschka. Die Schwestern haben sie in ihr Haus aufgenommen. Zuvor lebte sie mehrere Jahre auf der Straße. Durch Trunksucht verlor sie ihre Wohnung, die Kinder wollten sich nicht mehr um sie kümmern...
Die Schwestern spüren, dass es ihre Berufung ist, solchen Menschen zu helfen und möchten ein Haus dafür errichten. Sie beteten und haben Gott gesagt: Wenn es richtig ist, diese Frau aufzunehmen, dann schenke uns neue Berufungen (Frauen, die in ihre Gemeinschaft eintreten). Die Frau wohnt nun fast ein Jahr bei ihnen und es gibt zwei Frauen, die bei ihnen eintreten möchten. Eine Schwester kümmert sich beim Essen um die blinde Frau.
Von uns Diakonen möchten die Schwestern wissen, wie wir die Berufung zu unserem Dienst gespürt haben.
Auch wir haben Fragen. Uns interessiert, warum junge Frauen aus Argentinien in Russland leben...
Um 21.30 Uhr sind wir wieder im Pfarrhaus. Natürlich wollen wir uns noch ein wenig unterhalten. Die Patres freuen sich, ihren Bischof und Gäste aus Deutschland im Haus zu haben.  Eine Flasche russisches Bier und wir sind zufrieden. Sie fragen uns, ob es viele Berufungen zum Priester in unseren Gemeinden gibt . Nun, die Situation kennen viele Blogleser: Junge Leute in den Gemeinden erleben oft nur alte Priester . Die Lebensform der Ehelosigkeit für Priester findet immer weniger Akzeptanz, auch im inneren Bereich der Gemeinden usw...
Ein wunderschöner, aber auch sehr langer Tag! Clemens übersetzt ins Deutsche, dann wieder unsere Sätze für die Patres... Nachdem er zweimal gefragt hat: "Äh, in welcher Sprache muss ich jetzt sprechen?", gehen wir schlafen.
In der letzten Nacht haben wir dezentral geschlafen. Ich habe mein Bett im Büro  aufgebaut und alle waren heute zufrieden.

Kommentare:

  1. Lieber Peter, das waren heut wieder interessante Berichte, die Du uns übermittelst.
    Danke, dass wir an dieser Reise teilhaben dürfen. Danke an die Menschen, die euch so nett umsorgen.
    Ich wünsche euch noch schöne Erfahrungen,
    herzliche Grüße von Kerstin.

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  2. Bei so langen und erlebnisreichen Tagen muss man auch gut und zufrieden schlafen können. Also, lieber Peter, bleib mit deinem Bett im Büro.
    Liebe Grüße Deine Doris

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