Montag, 13. September 2010

Syslan und Weihnachten im September

Eben sind wir von unserer Rundreise zurück. Im Treppenhaus und in unserer Wohnung gibt es keinen Strom. Nebenan in der Kurie gibt es Strom. Eine Schwester arbeitet noch am PC. Ich setze mich dazu und kann meinen Bericht schreiben.
Ich will die merkwürdige Überschrift gleich erklären, sonst machen sich unsere Frauen Sorgen, ob bei uns noch alles in Ordnung ist... Der Gottesdienst in Syslan endete mit einem Marienlied, das auf die Melodie von "Oh du fröhliche..." gesungen wird. Alle habenkräftig mitgesungen. Aber nach Syslan muss man erst einmal kommen.
lang ist der Weg...
5 Stunden dauerte die Fahrt, eine kleine Pause eingerechnet. Bei den Entfernungen hier spielen Kilometer eher keine Rolle. Man gibt immer die Zeit an. Es sind es 350 km, aber es gibt keine Autobahnen und die Straßen sind über viele Kilometer schlecht. Auf einer Anhöhe nach Balkonowa haben wir eine kurze Pause eingelegt. Wir konnten über die angestaute Wolga auf das Atomkraftwerk am gegenüberliegenden Ufer sehen. Es sind vier Blöcke, von denen noch zwei gebaut werden .
wir haben einen guten Reiseleiter
Syslan ist eine Außenstation von Uljanowsk, ca. 140 km von Uljanowsk entfernt. Ein kleines Grundstück mit einer Kapelle, Gemeindehäuschen, ein altes Holzhaus und einer Banja. Gemeinsam mit der Schäferhündin Elsa kümmert sich eine Familie um das Grundstück . Die Seelsorger in Uljanowsk sind Argentinier. Der Kaplan ist derzeit unterwegs, aber Pfarrer Ariel und sein Provinzial, der zur Zeit anwesend ist, haben uns empfangen. Drei Schwestern, ebenfalls aus Uljanowsk, sind mit angereist und kümmern sich um das Essen und bereiten den Gottesdienst vor. Es sind junge Frauen aus Argentinien und der Ukraine. Clemens erklärt und übersetzt für die Runde. Mit einer Schwester, die erst ein Jahr hier ist, kann man sich gut unterhalten, obwohl sie nur einen kleinen Wortschatz hat .
der Pileolus kleidet auch Mädchen
Die hl. Messe ist eine feierliche, fröhliche, nicht steife Feier. Der Bischof hat seine Mitra auf und sein einfacher Bischofsstab aus Holz lehnt an der Wand, wenn er ihn nicht braucht. Die Predigt bezieht Junge und Alte mit ein. Nach dem Gottesdienst wird ein Foto gemacht. Die Leute haben viele Speisen mitgebracht und den Tisch gedeckt (die Deutschen Äppelkuch und Kräppl). Nicht anders wäre es bei uns in Thüringen. Ein Unterschied sehe ich aber doch: Der Bischof sitzt im bunten Sommerhemd unter seinen „Kindern". Alle reden und lachen ungezwungen miteinander. Der Aufbruch nach Uljanowsk kommt plötzlich. Durch den Pfarrer sind wir bei einer Familie in einem Dorf angemeldet. Es sind Flüchtlinge, die vor vier Jahren aus Georgien gekommen sind. Damit sie leben können, hat der Bischof ihnen eine Kuh geschenkt, die von der Caritas in Osnabrück finanziert wurde. Nun will diese noch die Bestätigung, dass die Kuh auch angekommen ist. Ein Foto und ein Brief vom Bischofs wird das Finanzamt sicher anerkennen... Ein Kaffee wird gebracht, eine kleine Viertelstunde sitzen wir in der guten Stube. Dann geht es weiter nach Uljanowsk. Als gelernte DDR Bürger fällt einem Lenin ein und das ist richtig. Er ist hier in Simbirsk geboren und deshalb wurde die Stadt umbenannt. Unser Aufenthalt hier in Russland hat ungewollt sozialistische Züge: Wir fahren durch Engels, um nach Marx zu kommen und wohnen zwei Tage in Uljanowsk. Hier hat die Kirche ein großes Haus gekauft, in welchem der Gottesdienstraum, Gemeinde- und Wohnräume untergebracht sind. Alles unter einem Dach!
im Gespräch


Pater Ariel, Bischof Clemens nach der Stallbesichtigung

Samstag, 11. September 2010

Eine Kapelle in Tschornaja Padina?

Im 19. Jahrhundert siedelten sich katholische Litauer im Dorf an. Sie bauten eine Kapelle zu ehren der hl Katharina. Den Kommunismus hat diese Kapelle nicht überlebt. Einige Nachfahren der Siedler haben einen reichen Litauer gefunden. Mit seinem Geld haben sie die kleine Kapelle gebaut. Sie wurde 2004 von Bischof Clemens geweiht. Doch was solle eine Kirche ohne Christen die darin beten. Das war gleichsam die Weihebedingung des Bischofs. Über 2 Jahre gab es eine Taufvorbereitung und dann Taufe und Kapellenweihe.

Freitag, 10. September 2010

Würdet Ihr?

Würdet Ihr am Ende des Gottesdienstes das „Großer Gott wir loben dich“ anstimmen, wenn ihr in Tschornia Padina wohnen würdet?
Ein Dorf mit 100 Einwohnern. Der nächste Arzt ist erst in fünf Viertelstunden mit dem Auto zu erreichen. Die Wegstrecke ist zwar nur 30 Km, aber der Weg ist so schlecht, dass es so lange dauert . Viele Männer trinken und es gibt kaum Arbeit. Die Schule ist die einzige Einrichtung am Ort, wo etwas von Zukunft gehofft werden kann. Leider wird diese Schule im Dezember geschlossen (nur 30 Kinder in den Klassen 1-9). Und doch, die Christen (etwa 15 Personen) mit denen wir am Donnerstagnachmittag die hl. Messe feierten, haben dieses Lied angestimmt und wir haben die 8 Strophen mitgesungen. Bei uns in den Gemeinden reden wir, dass etwas war!! Hier sehen wir, dass etwas wird. Für manche Erfahrung muss man weit fahren. Mit dem Kaplan aus Saratow waren wir gestern um 11.00 Uhr in Saratow gestartet. Um 15.30 Uhr waren wir dort vor der Kapelle. Die Wege sind durch die Bilder beschrieben.
Alle 14 Tage fahren ein Priester und zwei Schwestern in dieses Dorf.
Nach der Messe halten die Schwestern Katechese und spielen mit den Kindern. Der Priester hat Zeit für Gespräche mit den Leuten. Die Freude war groß, dass Besucher aus Deutschland bis in ihr Dorf gekommen sind. Gemeinsam mit einigen Kindern sitzen wir bei Mutter Albina in der Sommerküche und „müssen“ essen (Huhn, Tomaten, Pelmeni, Plini, Tee, Kuchen). Mir gegenüber sitzt ein Junge, der die Pelmeni im Sekundentakt verschlingt… ein Junge wie überall … oder gab es noch keine Mahlzeit? Das Mädchen trinkt nur „ ganz vornehm „ etwas Tee und lacht. Wir machen auch ein freundliches Gesicht, sagen einige Sätze auf Russisch und der Kaplan übersetzt.
Wir gehen etwas über die Dorfstraße.

Am Straßenende wird eine Staubwolke immer größer, denn es ist die Zeit, in der die Schafe und die Kühe von der Weide getrieben werden. Den Tieren sieht man an, dass der Sommer sehr trocken war und dass das Futter knapp ist. Wir gehen aus der Staubwolke und geben die Straße frei. Von einer Frau mit drei Kindern werden wir zum Tee eingeladen. Es ist Zeit für die Nachrichten, die nebenbei mitlaufen. Der Präsident ist sehr oft im Bild zu sehen, wie er sein Land regiert. Wir suchen unser Nachtquartier auf. Dabei müssen wir über die fast dunkle Dorfstraße gehen. Ich hoffe nur, dass die Kühe schon alle auf dem Feld sind…, denn man kann den Weg nicht  richtig erkennen.
Eine kurze Einweisung noch in die Örtlichkeiten: Herzhäuschen über den Hühnerhof links, Banja mit warmen Wassern am Morgen links über den Hof. Matthias hat ein Einzelquartier (Schnarcher) und ich schlafe auf einem eigenen Bett zu Bernhards Füßen, und zwar selig bis 7,30 Uhr...
Die Morgentoilette – siehe Bild!  Frühstück! Und dann fahren wir gleich um 9.00 Uhr los, denn um 13.00 Uhr sollen wir in Saratow sein. Morgen starten wir um 8.00 Uhr mit Clemens nach Syslan und Uljanowsk (600 km). Von Uljanowsk geht es am Montag über Marx zurück.

Donnerstag, 9. September 2010

Mit dem Kaplan nach Tschornaja Padina

Pfarr- und Bischofskirche in Saratow
"Schreib im Blog, dass ihr erst morgen wieder kommt, sonst warten die", sagt uns Clemens beim Frühstück.
Also,es regnet nicht und wir können aufbrechen nach Tschornaja Padina (Schwarze Senke). Die Wege sind befahrbar. Wir freuen uns, dort Christen zu treffen und mit ihnen zusammen einige Stunden verbringen zu dürfen. Wir werden im Dorf übernachten und am Freitag nach Saratow heim kommen.











Mittwoch, 8. September 2010

vergessen

Ach ja:  und danke für eure Einträge. Ich hatte sie gar nicht entdeckt. Ein Herr CP, wohnhaft in Saratow (über uns), wusste Bescheid. 
Gestern (8.9.) bei der hl Messe in Marx. Zur Feier des Tages mit einem deutschen  Diakon.
So nun noch die Erklärung: Wir drei, der russischen Sprache nicht mächtig, feiern stumm mit. Als die Deutschen unter Katharina ins  Land kamen, nannten die Einwanderer die Russen Bandler, weil die keine Knöpfe kannten und mit Bändchen ihre Kleidung verschlossen. Die Einwanderer konnten die Sprache nicht und waren meist stumm. Deshalb nannten sie die Russen Nemzui - die Stummen. Bis heute ist  dies das russische Wort für deutsch. So sind wir "wirklich" deutsche, weil stumme Diakone in der hl. Messe.

Ich hoffe, ihr seht wie breit die Wolga ist. Im Winter braucht man zu Fuß 45 Minuten über das Eis.
die Wolga in Marx

auf nach Marx....

Diesen Tag haben wir gemeinsam mit Bischof Clemens verbracht. Um 6.30 sind wir mit dem Auto los gefahren. Der Weg führte uns über die Wolga nach Marx (ehemals Katharinenstadt). Heute ist der Festtag Maria Geburt. Wir feierten um 8.00 Uhr die Messe. Neben uns in der Kirche saßen 15 Schwestern. Es sind viele junge Schwestern. Neben der Kirche haben sie ihr Kloster. Sie sind hauptsächlich in der Kinder- und Jugendarbeit in der Gemeinde und in den Dörfern tätig. Der Bischof besitzt dort ein Haus für die Kinder und Jugendlichen.
Nach der Messe waren wir zum gemeinsamen Frühstück eingeladen (siehe Bild). Einige der Schwestern sprechen die deutsche Sprache. Früher wohnten in diesem Gebiet Russlanddeutsche. Das ist auch das Stichwort für den Rest des Tages. Wir fuhren in drei Dörfer, die früher (bis zum Krieg) von Russlanddeutschen bewohnt waren. Der eine Ort ist nur noch eine Wüstung . In Rohleder und Marientahl (die Orte tragen jetzt russische Namen) wohnen heute keine Deutschen mehr. Wir halten an den ehemaligen katholischen Kirchen. Die  eine ist ein Dorfhaus, die andere in Marienthal ist eine Ruine. Sie war der Gottesmutter geweiht. Heute am Festtag Mariens stehen wir 4 deutschen Männer hier und singen ihr zu Ehren das Salve Regina. Ein bisschen belegt war mir die Stimme schon dabei. Unsere Zuhörer waren 3 Ziegen, die sich in der Ruine aufhielten.
Wenn ich nicht zu müde wäre (23.00 Uhr ist jetzt bei uns), käme noch eine spannende Schilderung der Fahrt. Die besten Wegstrecken hatten wir immer dann, wenn  es eine Spur in der Steppe gab, der wir folgen konnten. Einen kleinen Bach zu durchqueren, war noch einfach. Gefährlich wurde es immer dann, wenn Bischof Clemens sagte: „Ihr steigt aus, und ich versuche es allein“. Sein Auto hat ein Allradantrieb und unten ein extra Blech. Oftmals nur mit Schrittgeschwindigkeit erreichten wir das Haus von Mutter Beate. Dort hatte der Bischof uns zum Essen angemeldet. Die Gastfreundschaft dieser Frau ist nicht zu beschreiben. Sie ist eine Deutsche vom Schwarzmeergebiet. "Seid nich bleed und esst euch grod streng satt". So ähnlich klingt es, wenn man zum Essen genötigt wird. Danke Mutter Beate! Ganz ohne Schaden hat das Auto die Fahrt nicht überstanden. Als wir zurück nach Marx kamen, kümmerte sich der Hausmeister darum.
Für uns blieb Zeit für eine Fahrt an die Wolga, eine Tasse Kaffee und eine Erfrischung.
Nach dem Abendessen half mir eine Schwester  mein Netbook im Ordinariat „netzwerkfähig“ zu machen. Der Bischof musste noch einen Termin wahrnehmen, dennoch blieb danach etwas Zeit für einen Schluck deutsches Bier und ein gutes Gespräch.
Morgen fahren wir mit dem Kaplan aufs Dorf (deutsch: schwarze Kuhle). Bischof Clemens hat uns schon auf die besondere Art des Landlebens vorbereitet….




Dienstag, 7. September 2010

erste Schritte

Landung in Saratow - 6.9.10

Montag gegen 21.45 Uhr Ortszeit: Die Jak 42 ist im Landeanflug auf den Flughafen in Saratow. Die beiden Brücken über die Wolga, die kürzere ist fast 3 km lang, sind zu sehen. Der Flieger geht tiefer und die ersten Häuser sind zu erkennen. Eine Leuchtschrift kommt ins Blickfeld … Ich will schon meine Russischkenntnisse bemühen… und kann in lateinischen Buchstaben lesen: “Renault“. Also ihr Lieben zu Hause, macht euch keine Sorgen, wir sind noch nicht ganz dem westlichen Einflussbereich entronnen. Wir haben unser Quartier in einer Wohnung im Stadtzentrum. Für einen kleinen Begrüßungsschluck sind wir noch nicht zu müde. Bischof Clemens gibt einen Trinkspruch zum Besten, den er neulich gehört hat: "wir trinken auf die Gesundheit eures Gottes".
Stadt und Fluss - 7.9.10

Gestern haben wir die Stadt nur nachts vom Auto aus gesehen. Heute nach dem Frühstück hat uns Bischof Clemens mit dem hiesigen Kaplan Denis zu einer ersten Stadtbesichtigung geschickt. Oberhalb der Stadt befindet sich ein Denkmal des Sieges im 2. Weltkrieg. Von dort hat man einen guten Blick auf die Stadt und die Wolga.
Nach dem Besuch der orthodoxen Bischofkirche gingen wir noch an die Wolga. In der katholischen Kathedrale werden wir um 18.00 Uhr die Abendmesse mitfeiern. Mit dem Bischof essen wir Mittag und er erzählt uns, was er so in diesen Tagen mit uns vor hat.
Morgen werden wir  über die Wolga nach Marx fahren. In Russland muss man sich innerhalb von drei Tagen polizeilich anmelden (wie früher der Westbesuch in der DDR). Wir kommen ja auch aus dem Westen (Himmelsrichtung)...  Ohne Kontakte dauert die Anmeldung an mehreren Stellen manchmal 2 Tage.
Wenn die Dienstbesprechung bei Bischof Clemens im Ordinariat vorbei ist, kann ich den Text in den Blog setzen. Das Ordinariat befindet sich, wie auch unser Gästebereich, in einem Hochhaus im Zentrum der Stadt. Vier Wohnungen hat der Bischof dafür gekauft (Schwesternwohnung, Bischofswohnung, Gästewohnung und Ordinariat).